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Der Knasthund Basko von der JVA Nürnberg

Herausgegeben von Tommy in Archiv · 29/8/2011 04:45:47
Tags: TM

Zwar schon etwas älter, aber immer noch lesenswert:

Der Schnüffler kommt auf samtenen Pfoten
Ein Drogensuchhund ist der heimliche Star der Justizvollzugsanstalt Nürnberg - 29.08.2011



Nürnberg  - Drogen sind seine Leidenschaft. Und das finden die Justizvollzugsbeamten in Nürnberg sogar wunderbar. Der nicht verbeamtete "Justizvollzugshund" Basco ist von Natur aus Schäferhund. Er ist sechs Jahre alt, beißt nicht, schnüffelt aber hingebungsvoll – Basco ist der Drogensuchhund der Justizvollzugsanstalt (JVA) Nürnberg.

Sein Rudelführer hört auf den Namen Peter Schmidt. Der 50-jährige Justizvollzugsbeamte arbeitet seit über 30 Jahren in der JVA Nürnberg. Schmidt ist Sicherheitsbeamter in der Sicherungsgruppe, und seit nunmehr sechs Jahren eben auch Hundeführer.

Dreimal bellt Basco den unbekannten Besucher an, als sich die Tür zur Zentrale der JVA-Sicherungsgruppe öffnet. Es ist ein lautes, aber kein aggressives Bellen und drückt aus: „Wenn du mir nichts tust, dann tue ich dir auch nichts.“ Für einen Schäferhund eher ungewöhnlich. „Basco ist ein ganz ruhiger, gelassener und freundlicher Hund“, sagt sein Herrchen, während sich Basco längst wieder auf sein gemütliches Plätzchen gelegt hat und den Gast gelangweilt beäugt.

„Ich hatte zuvor nie etwas mit Hunden am Hut“, erzählt Peter Schmidt. Das Thema Rauschgiftbekämpfung habe ihn allerdings schon seit Jahren interessiert. Als dann das Bayerische Justizministerium 2004 das Projekt mit den Drogensuchhunden ausrief, meldete sich Der-mit-Hunden-nichts-am-Hut-Habende sofort.

Vor der Suche nach Rauschgift steht die nach dem passenden Hund. Durchschnittlich sind von 100 Hunden nur zwei für diesen Job geeignet. Das musste auch der Nürnberger Justizvollzugsbeamte feststellen. Schmidt: „Ich habe lange nach dem geeigneten Hund gesucht, auch in den umliegenden Tierheimen, hatte auch drei Hunde zum Testen zu Hause gehabt – sie waren alle nicht für diese Aufgabe zu gebrauchen.“

Schnüffler auf samtenen Pfoten
Basco ist der heimliche Star in der JVA. Sein wichtigstes Werkzeug ist seine Spürnase.

Zufälligerweise hatte die Zollhundeschule in Neuendettelsau einen Hund übrig. Und das lag einzig und allein an dem fehlenden Stück an seinem rechten Ohr. So kam es, dass Basco kein griechischer Zollhund, sondern Nürnberger Drogensuchhund wurde. „Die Griechen wollten damals einen makellosen deutschen Schäferhund, Bascos rechtes Ohr passte nicht zu dieser Vorstellung“, erzählt Schmidt zufrieden.

Die Ausbildung zum Drogensuchhund übernahm Schmidt dann selber. Eigentlich sollte Basco zur Drogensuche bei Personen eingesetzt werden. „Das hat aber nicht geklapppt, weil er recht scheu ist.“ So kam es, dass Peter Schmidt seinen vierbeinigen Kollegen zur Drogensuche in Räumen, bei Fahrzeugen und Gepäckstücken ausbildete.

Die Grundausbildung absolvierte Basco in Neuendettelsau. Die Ausbildung zu einem qualifizierten Drogensuchhund kostet zwischen 10000 und 15000 Euro. Dann war Schmidt mit Basco in der Polizeihundestaffel Mittelfranken integriert und erhielt dort den letzten Schliff. Seitdem ist er mit seiner „Drogenschnüffelnase“ bei der Nürnberger Polizei-Diensthundestaffel angegliedert und macht dort die Aus- und Fortbildung mit.

Die JVA-Sicherungsgruppe ist so etwas wie eine Hauspolizei. Die Beamten kommen bei schwierigen und heiklen Situationen im gesamten JVA-Bereich zum Einsatz. Sie werden alarmiert bei Meutereien, ausrastenden Strafgefangenen, die dann erhebliche Kräfte und Aggressionen entwickeln können, bei organisierter Kriminalität innerhalb der Gefängnismauern und eben auch bei allen Fällen im Zusammenhang mit Rauschgift.

Da trifft es sich gut, dass Basco mittlerweile neun verschiedene Rauschgifte erschnüffeln kann, und seien es auch nur winzige Spuren davon. Peter Schmidt und seine Kollegen wissen aus langjähriger Erfahrung, wie einfallsreich Drogenkonsumenten den Stoff oft verstecken. Damit das versteckte Rauschgift beim Auffinden nicht gleich dem Konsumenten zugeordnet werden kann, wird es kaum noch in der Zelle versteckt, sondern bevorzugt in Nebenräumen, Putzräumen, Freizeiträumen und Essensräumen.

Ganz besonders viele Verstecke bieten Werkstätten wie beispielsweise die Schreinerei mit ihren Holzlagerräumen. Das alles beeindruckt Basco überhaupt nicht, im Gegenteil: Je kniffliger das Versteck, desto größer ist die Herausforderung und die Freude beim Finden für ihn. Das hat sich auch bei den Strafgefangenen herumgesprochen. Größere Rauschgiftmengen kommen laut Schmidt seitdem nicht mehr in Umlauf, „sondern, wenn überhaupt, wird versucht, ganz kleine Mengen für den sofortigen Verbrauch einschmuggeln zu lassen“.

In den bayerischen Justizvollzugsanstalten sind die Drogenabhängigen nicht getrennt von anderen Gefangenen untergebracht. Die Justizvollzugsbeamten haben die Erfahrung gemacht, dass die gemeinsame Unterbringung mit anderen Gefangenen die Behandlung der Drogenabhängigen erleichtert. Etwa 17 Prozent aller Strafgefangenen in Bayern sind ausschließlich wegen Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz verurteilt. Die Zahl der tatsächlich Drogenabhängigen oder Drogen-gefährdeten dürfte höher sein.


Basco ist der Albtraum aller Drogenkonsumenten in der JVA Nürnberg. Das soll auch so bleiben. Deswegen trainiert Peter Schmidt immer wieder mit Basco spielerisch das Erschnüffeln von Rauschgift aller Art. „Es ist aber keineswegs so, dass der Hund süchtig gemacht wird, sondern trainiert wird mit Kunststoffröhren aus Plastik, den sogenannten Bringseln, die mit Löchern versehen sind. Gefüllt mit Rauschgift im Milligrammbereich wird Basco diese „Plastikwurst“ vor die Nase gehalten, die dann versteckt wird.

Mittlerweile ist Basco so konditioniert, dass er bei Neuzugängen den Koffer findet, der gar kein Rauschgift enthält, sondern nur Bekleidung, die drogenbehaftet ist. Kommt der Besucher eines drogenabhängigen Gefangenen auf die Idee, auf der Toilette etwas verstecken zu wollen, gilt: don’t even think about it – denk nicht mal dran –, Basco findet es!

Peter Schmidt kann sich sicher sein, dass Basco nicht versagt. Er erinnert sich an einen besonderen Fall. Bei einem Verdacht auf verstecktes Rauschgift passierten sie einen Putzraum, um zur Zelle am anderen Ende des Ganges zu gelangen. „Ich hatte Basco dann im Haftraum angesetzt, um nach Rauschgift zu suchen, da ist er ausgebüxt, ans andere Gangende gelaufen und im Putzraum immer wieder nach oben gesprungen.“ Tatsächlich war hier ganz oben im Kabelschacht eine Zigarette versteckt worden, in deren Filter gerade mal 0,2 Gramm Haschisch steckte. Basco hatte dies im Vorbeilaufen bereits gerochen.

Und was macht der vierbeinige JVA-Kollege eigentlich nach Dienstschluss? Da wird er nach Peter Schmidts Worten vom Drogensuchhund zum Familienhund: „Meine Frau und meine drei Kinder sind von dem weiteren Familienmitglied hellauf begeistert.“

Basco hätte es schlechter erwischen können – wenn sein rechtes Ohr vollständig wäre. Es wird sicher einige Strafgefangene geben, die Basco viel lieber als Zollhund an der griechischen Grenze gesehen hätten...

Quelle: Nürnberger Zeitung vom 29.08.2011




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